Häufige Fragen

Was ist Psychotherapie?

Unter dem Begriff Psychotherapie werden verschiedene psychotherapeutische Schulen und Richtungen zusammengefasst. (siehe unter LINKS) Es handelt sich um einen einzigartigen Prozess der Begegnung und Zusammenarbeit zur Hilfe in seelischer Not und bei psychosomatischen Leiden.
Streng genommen bezieht sich Psychotherapie auf die Behandlung seelischer Krankheiten (wenigstens was die Ausrichtung von Krankenkassenbeiträgen betrifft), dies lässt sich aber nicht immer trennen von Persönlichkeitsentfaltung.

Wie lange dauert eine Psychotherapie?
Die Dauer ist abhängig von den Ursachen, den Therapiezielen und der Therapierichtung. Es gibt Kurztherapien als Verfahren, ebenso Langzeittherapien.

Wie unterscheidet sich Psychotherapie von psychologischer Beratung?
Bei der Beratung handelt es sich meist um eine kürzere Arbeit, z.B. in einer Krisensituation, wenn wichtige Entscheidungen zu fällen sind oder als Begleitung in einer schwierigen Lebenssituation. Die KlientInnen sind nach diagnostischen Kriterien nicht psychisch krank. Psychologische Beratung dürfen auch PsychologInnen machen, die nicht über eine Zusatzqualifikation für Psychotherapie verfügen.

Kann ich mich direkt bei einer Psychotherapeutin/einem -therapeuten melden oder muss ich über eine Aerztin/einen Arzt zugewiesen werden?
Sie können sich direkt anmelden. Damit die Zusatzversicherung der Krankenkasse eventuell einen Teil der Kosten übernimmt, braucht es bei den meisten Krankenkassen eine ärztliche Ueberweisung (meist durch HausärztIn). Diese Ueberweisung kann nach Beginn der Therapie noch eingeholt werden.

Es gibt PsychiaterInnen, PsychologInnen, PsychotherapeutInnen. Wo liegt der Unterschied?
PsychiaterInnen sind AerztInnen, führen den Fachtitel FMH und haben eine Spezialausbildung für Psychiatrie und Psychotherapie.
PsychologInnen haben ein Hochschulstudium in Psychologie absolviert. Zur Zeit bieten auch Personen mit anderen Ausbildungsgängen psychologische Beratung an. Der Titel PsychologIn ist noch nicht überall geschützt. Das neue eidgenössische Psychologieberufsgesetz, das jetzt in der Vernehmlassung ist, sieht aber vor, dass die Begriffe Psychologin/Psychologe geschützt werden.
PsychotherapeutInnen haben zusätzlich zum Hochschulstudium in Psychologie eine mindestens vierjährige anerkannte Weiterbildung in einer oder zwei psychotherapeutischen Methoden absolviert und ihre Tätigkeit in dieser Zeit supervidieren lassen. Ob Ihr/e PsychotherapeutIn eine solche anerkannte Ausbildung hat, sehen Sie an der Berufsbezeichnung "PsychotherapeutIn SBAP", "Fachpsychologin für Psychotherapie FSP" oder "PsychotherapeutIn SPV" (entsprechend der Anerkennung durch die schweizerischen Berufsverbände, siehe unter LINKS).

Was übernimmt die Krankenkasse?
Die Krankenversicherungen übernehmen die Kosten nicht in jedem Fall.
- Bei freiberuflichen PsychotherapeutInnen, die als Grundstudium Psychologie haben, beteiligen sich die Krankenkassen an der Behandlung im Rahmen der Zusatzversicherung, sofern der/die PsychotherapeutIn von der Krankenkasse anerkannt ist. Die Beiträge der verschiedenen Kassen sind unterschiedlich hoch und müssen individuell erfragt werden.
- Die ärztliche Psychotherapie ist durch die obligatorische Krankengrundversicherung gedeckt. Dies bezieht sich auf die Behandlung einer psychischen Krankheit durch ärztliche Psychotherapie. - Die psychologische Psychotherapie kann im gleichen Umfang verrechnet werden, sofern sie durch delegiert arbeitende PsychotherapeutInnen erbracht wird. Eine solche liegt dann vor, wenn die Leistung auf ärztliche Anordnung hin, unter ärztlicher Ueberwachung und in den Räumen des Arztes stattfindet

Was ist delegierte Psychotherapie?
Die Therapie wird in den Räumen der AerztIn unter deren Verantwortung durch eine von ihr angestellte Person ausgeführt. Noch ist es keine gesetzliche Bestimmung, dass auch die delegiert arbeitenden TherapeutInnen über die selbe Ausbildung verfügen müssen wie die selbstständig Arbeitenden. AerztInnen sind im Prinzip (noch) frei wem sie diese Aufgabe übertragen.
Bei delegierten Therapien übernimmt die Grundversicherung der Krankenkassen die Kosten.

Wie weiss ich, ob ich bei der richtigen Person bin?
In vielen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass eine gute Beziehung zwischen KlientIn und TherapeutIn eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen einer Psychotherapie ist. Folgende Hinweise deuten auf das Entstehen einer Vertrauensbeziehung:
- Sie fühlen sich wohl und sicher im Kontakt mit der Therapeutin und in den Räumlichkeiten.
- Sie spüren das Interesse der Therapeutin und fühlen sich von ihr verstanden und angenommen.
- Sie halten die Therapeutin für kompetent.
- Sie fühlen sich respektiert.

Warnsignale dafür, dass Sie nicht in den richtigen Händen sind, könnten sein:
- Wenn keine Auskunft über Ausbildung und Methode gegeben werden.
- Wenn es keine klaren Auskünfte zu den Rahmenbedingungen gibt (Kosten, Sitzungsdauer- und häufigkeit, Erreichbarkeit, Terminvereinbarungen und -absagen).
- Wenn Sie sich über mehrere Sitzung grundsätzlich unwohl fühlen bei Ihrer Therapeutin/Ihrem Therapeuten.
- Wenn Ihnen Weltsichten und Ideologien aufgedrängt werden.
- Aber auch wenn Sie mit Ihren Problemen nicht ankommen, sich nicht Ernst genommen fühlen.

Das Beste ist, wenn Sie sich trauen Ihre Vorbehalte mit der Therapeutin/dem Therapeuten zu besprechen.

Ist es wichtig, welche Methode die Therapeutin/der Therapeut anwendet?
Wie oben erwähnt ist die Qualität der therapeutischen Beziehung wichtiger als die Methodenwahl. Zudem verwenden gerade erfahrene TherapeutInnen oft mehrere Methoden.
Wichtiger ist, dass Sie Auskunft über eine bestimmte Methode bekommen und besprechen können weshalb diese Methode in Ihrem Fall Sinn macht.

Was vermag Psychotherapie?
Im besten Fall vermag sie von seelischen Blockierungen und Einschränkungen zu heilen. Oft geht es aber auch darum, mit solchen Einschränkungen leben zu lernen, sie nicht nur als Stolpersteine wahrzunehmen. Dafür muss die Bereitschaft bestehen, in einer geschützten respektvollen Beziehung seine eigenen Wahrnehmungsmuster, Aengste, Ideale, Bedürfnisse etc. kennen zu lernen. Dabei entstehen die Prozesse, welche Veränderung im Erleben insgesamt, im Lebensentwurf und im Verhalten bewirken.

Wie erfahre ich, wie ein/e TherapeutIn arbeitet?
Das Erstgespräch dient dazu sich kennen zu lernen. Dazu gehört auch, dass die Therapeutin über ihre Arbeitsweisen informiert. Es sollte möglich sein, zwei oder drei Sitzungen abzumachen, um sich erst dann zu entscheiden, ob Sie längerfristig mit dieser Therapeutin arbeiten möchten.

Ist psychotherapeutischer Erfolg sichtbar, messbar?
Ueber die Wirksamkeit von Psychotherapie gibt es zahlreiche Untersuchungen. Sie finden dazu Artikel in der Fachliteratur (siehe unter LINKS).
Unsere Gemeinschaftspraxis ist zur Zeit an einer solchen Studie mitbeteiligt. Es werden darin erstmals methodenübergreifend, also nicht schulenspeziefisch, Daten über die Wirksamkeit von Psychotherapie erhoben. Die Studie wurde im Auftrag des Schweizerischen Berufsverbandes für Angewandte Psychologie an der Hochschule für Angewandte Psychologie in Auftrag gegeben. Erste Ergebnisse, zeigen, bei einer allerdings noch kleinen Gruppe, eine signifikante Wirksamkeit.

Wie komme ich zu einer geeigneten Adresse?
- durch Empfehlung von Personen, die psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen haben.
- Im Kanton Aargau durch den VAP Verband Aargauischer Psychologinnen und Psychologen, welcher auch einen Beratungsführer für psychologische Beratungs-und Psychotherapiemöglichkeiten herausgegeben hat

- durch die schweizerischen Berufsverbände:
      www.sbap.ch
      www.psychologie.ch
      www.psychotherapie.ch

- durch Empfehlung von AerztInnen

Welche stationären Psychotherapieangebote gibt es?
Sie finden eine Liste aller Institutionen unter www.doktor.ch

Können psychologische PsychotherapeutInnen auch Medikamente verschreiben?
Nein, Psychopharmaka können nur von AerztInnen verschrieben werden, dabei ist keine Bedingung, dass er/sie auch PsychiaterIn ist. Es ist relativ häufig, dass eine Arbeitsteilung besteht der/die PsychiaterIn übernimmt die Medikation, während die Psychotherapie bei einer psychologischen Psychotherapeutin stattfindet.

Psychotherapie einzeln oder in Gruppen?
Die Wahl hängt mit der Art des Problems und der Fragestellung zusammen. Im Bereich der Selbsterfahrung bieten Gruppen Lernerfahrungen an, die im Einzelsetting nicht möglich sind. Die beiden Verfahren schliessen sich nicht aus. Manchmal ist es sinnvoll beides zu kombinieren.

Wo kann ich mich hinwenden, wenn ich notfallmässig (über Nacht, an Wochenenden) psychologische Betreuung brauche?
Die Nummer des notfallpsychiatrischen Dienstes erfahren Sie durch den jeweiligen Notfallarzt. (Telefon 1811 gibt Auskunft)
Die Dargebotene Hand unter Tel. 143 bietet rund um die Uhr GesprächspartnerInnen, welche helfen schwierige Momente zu überbrücken. http://www.aarau.143.ch
Alle kantonalen psychiatrischen Kliniken sind verpflichtet Notfälle aufzunehmen.
www.doktor.ch
Unsere Praxis ist von Montag bis Freitag geöffnet. Sie können innerhalb von 1 - 3 Tagen einen Termin für ein Erstgespräch erhalten. Die jeweilige Erreichbarkeit erfahren Sie täglich über den Telefonbeantworter.

Kann Psychotherapie schaden?
Was nützt und Wirkung hat, kann auch schaden!
Dies kann durch unqualifizierte TherapeutInnen verursacht sein. Es kann aber auch sein, dass die "Chemie" nicht stimmt und dies nicht erkannt wird. Es können diagnostische Fehleinschätzungen auch von erfahrenen TherapeutInnen gemacht werden. Was immer schadet ist, wenn der Therapeut (es kommt selten auch bei Therapeutinnen vor) die Grenzen der Arbeit nicht respektiert und sich der Klientin/dem Klienten sexuell nähert oder eine solche Annäherung gestattet.
Sollten Sie in einer Psychotherapie oder Beratung eine schädliche Situation erfahren oder vermuten, können Sie sich an die Ombudsstelle des Verbandes Aargauischer Psychologinnen und Psychologen wenden: www.vap-psychologie.ch



e-mail an vis-a-vis: info@visavis-baden.ch